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Das folgende Referat wurde anlässlich des 2. Elliott-Wave-Treffens im Herbst 2001 in Friedrichroda gehalten, auf dem sich Teilnehmer des Diskussionsforums elliott-waves.com getroffen haben.

 

Silber, die ideale Altersvorsorge

Wie funktioniert Altersvorsorge?

Über viele Jahrhunderte wurde Altersvorsorge mit Kindern betrieben. Die Menschen mussten zehn bis zwölf Kinder zeugen, von denen, wenn sie Glück hatten, drei bis vier überlebten, welche die Eltern dann im Alter versorgen konnten. Das Wort Kinderreichtum hatte früher eine ganz konkrete Bedeutung. In den Armenhäusern früherer Jahrhunderte lebten überwiegend Leute, die keine Kinder hatten. Eine kleine Geschichte zeigt die ökonomische Logik, die dahinter stand, recht deutlich.

Ein Handwerker wurde gefragt, was er denn mit seinem guten Einkommen anfange. Dein Drittel, sagte er, verwende ich, um alte Schulden abzuzahlen, mit einem weiteren Drittel sammle ich Schätze an und von dem restlichen Drittel lebe ich mit meiner Frau. Der Fragesteller wollte wissen, woher denn die Schulen kämen und wo die Schätze seien. Die Schulden, sagte der Mann, habe er bei seinen alten Eltern, die ihn aufgezogen und ausgebildet haben, und die Schätze seien seine Kinder, die ihn, wenn er alt sei und nicht mehr arbeiten könne, ernähren würden.

Bis etwa zum Ende des 18. Jahrhunderts funktionierte so die Altersvorsorge. Das erwirtschaftete Einkommen wurde verbraucht. Erst im 19. Jahrhundert begann der eigentliche Kapitalismus. Erst die Ansammlung von Produktivkapital zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat den Wohlstand hervorgebracht, in dem wir heute leben. Der Schwede Gunnar Myrdal hat es mit dem nachfolgenden Satz auf den Punkt gebracht: Der liebe Gott hat zu jedem Mund, der Essen will, auch ein paar Hände geschaffen, aber eben nicht den Traktor, der die Arbeit dieser Hände produktiv macht. Mit dieser Bildung von Produktivkapital trat damals ein Effekt ein, mit dem die Ökonomen nicht gerechnet hatten, weder Adam Smith noch Malthus noch Ricardo oder Marx. Die Reallöhne stiegen, und die Kinderzahl ging zurück. Die Altersvorsorge begann sich zu wandeln von einer Generationenvorsorge über Kinder zu einer kapitalistischen Vorsorge über Ersparnisse in Produktionskapital. Platt formuliert könnte man vielleicht sagen: Waren früher Kinder das Produktivkapital, so waren es jetzt Maschinen. Im 19. Jahrhundert sehen wir einen enormen Wohlstands- und Wachstumsschub, wobei auf privater Basis riesige Kapitalien für produktive Investitionen, auch in Entwicklungsländern, zur Verfügung gestellt wurden. Man denke nur an den Eisenbahnbau in Russland und USA oder den Panama- und Suezkanal, die alle privat finanziert wurden. Das funktioniert heute nicht mehr. Heute wird von Staats wegen Entwicklungshilfe geleistet.

Die generative Marktwirtschaft begann sich in eine kapitalistische Marktwirtschaft zu wandeln, man lebte nicht mehr von den Kindern, sondern bildete so viel Vermögen, dass man sich von den Kapitaleinkünften oder aus dem Vermögen ernähren konnte. Dieser Prozess wurde zuerst in Frankreich sichtbar, wo sich im wohlhabenden französischen Bürgertum die Familie mit zwei Kindern durchsetzte und die Geburtenraten schon gegen Ende des Jahrhunderts die niedrigsten in Europa waren. Die Arbeiter waren freilich noch auf Kinder angewiesen. Von der Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand, etwa durch Volksaktien, waren wir noch weit entfernt. Aber es war eine Entwicklung eingeleitet worden von der generativen zur kapitalistischen Altersvorsorge, die im 19. Jahrhundert bereits eine enorme Wohlstandsvermehrung bewirkte und auch weiter bewirkt hätte, wenn sie nicht unterbrochen worden wäre durch die Erfindung des Umlageverfahrens im Wohlfahrtsstaat.

Voll zum Durchbruch kam der Wohlfahrtsstaat bei der Altersvorsorge allerdings erst 1957, und zwar mit der Rentenreform in Deutschland, als man die Täuschung mit dem Generationenvertrag erfand. Bei Bismarck war die Rente mit durchschnittlich zehn Reichsmark bei einem durchschnittlichen Monatslohn von 60 Mark lediglich ein Zubrot. Hinzu kam noch, dass die meisten, wenn sie mit 70 Jahren ihre Rente kassieren wollten, schon tot waren. 1957 erzählte man dann den Leuten, dass sie durch das Wunder des Generationenvertrages sich mit 65 zur Ruhe setzen könnte und dann 70 Prozent ihres letzten Arbeitseinkommens bis an ihr Lebensende bekommen würden.

Dafür bräuchten sie weder selbst Kinder zu zeugen noch zu sparen, mit dem Effekt, dass nun in der Tat weder Kinder gezeugt wurden noch Kapital angespart wurde. Dieses Modell wurde von anderen Ländern übernommen, und das führte dann dazu, dass in allen Ländern das Geld, von dem die Menschen glaubten, es würde für ihr Alter zurückgelegt, vom Staat als Einnahme verbucht und gleich wieder ausgegeben wurde, ohne dafür Produktivkapital zu bilden. Wenn die Menschen dann im Alter das Sparschwein aufmachen, finden Sie ein leeres Versprechen darin, Altpapier, denn wie sollte der Staat sein Versprechen erfüllen, wenn nicht durch Steuern oder neue Schulden? Die Generation, die den Vertrag erfüllen könnte, wurde nicht gezeugt und Produktivkapital, welches die Anleihe bedienen könnte, wurde nicht gebildet. Man lebt von der Hand in den Mund.

Die Ablösung der kapitalistischen Altersvorsorge durch das Umlageverfahren des Generationenvertrages stellt sich als Täuschung, als weiterer böser Trick des sozialistischen Wohlfahrtsstaates heraus. Die Verbindung zur materiell-physischen Realität, zu Kindern oder Maschinen, wurde gelöst und durch eine abstrakte Schuldbeziehung ersetzt.

Aber die Rückkehr zur kapitalistischen Altersvorsorge, zum Kapitaldeckungsverfahren, ist uns auch verstellt, und zwar durch den anderen bösen Trick, durch fiat money. Es stimmt zwar, dass die jeweils Aktiven immer die Versorgungsempfänger mit realen Gütern versorgen müssen, da führt kein Weg dran vorbei. Die Frage ist aber, wie diese Versorgung begründet wird, worauf der Versorgungsanspruch gestützt wird. Ich kann ihn entweder auf eine Schuld stützen, auf einen Schuldanspruch gegen den Staat oder künftige Generationen, oder aber ich kann ihn auf Eigentum stützen, das ich stückweise im Tausch gegen Versorgungsleistungen hergebe. Das Letztere setzt aber voraus, dass es Wege gibt, Wert in der Zeit zu transportieren und stückweise zu liquidieren. Genau dieses Problem hat Geld im 19. Jahrhundert hervorragend gelöst, während dieses Problem sich mit unserem heutigen Geld nicht mehr lösen lässt.

Unser Geld ist so unzuverlässig geworden, dass kein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, seine Altersversorgung noch auf Geldvermögen bauen würde, ganz im Gegensatz zum 19. Jahrhundert, in dem das in wohlhabenden Kreisen durchaus die Regel war. Nachdem wir also festgestellt haben, dass Altersvorsorge nicht mehr funktioniert, weil sowohl beim Geld als auch bei der Altersvorsorge das Band zur realen Güterwelt zerschnitten wurde, kommen wir nun zu der zweiten Frage:

Kann man mit Silber Altersvorsorge betreiben?

Bis zum Ersten Weltkrieg gab es auf der ganzen Welt nur zwei Währungen, nämlich Gold und Silber. Die Namen der Währungen in den einzelnen Ländern wie Pfund, Dollar, Franc oder Mark waren nur Bezeichnungen für eine unterschiedliche Menge an Gold und Silber. Mit Gold und Silber konnte man also auf der ganzen Welt bezahlen. Heute gibt es etwa 180 verschiedene nationalstaatliche Währungen, die aber meist nur innerhalb der Staatsgrenzen nationales Monopolygeld sind. Außerhalb der Staatsgrenzen ist es wertloses Altpapier. Unser heutiges Geld ist also ganz zweifellos ein gewaltiger Rückschritt gegenüber dem Geld des 19. Jahrhunderts, das bereits einheitliches Weltgeld war.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges lag das Preisniveau in diesem Geld nicht höher als 100 Jahre zuvor, und das in Reichsmark ebenso wie in Pfund, Dollar, Franc oder Rubel. Das Wort Inflation gab es noch gar nicht. Man sprach allenfalls von Teuerung, wenn einmal eine Missernte vorkam.

Mit dem Ersten Weltkrieg wurde das Edelmetallgeld durch ungedecktes Papiergeld, fiat money, abgelöst, um den Krieg zu finanzieren. Danach folgten dann Währungskatastrophen – wie die großen Inflationen in Deutschland, Polen und Ungarn und in allen Ländern entwertete sich das Geld immer wieder mit atemraubender Geschwindigkeit. Die Deutsche Mark, auf die wir wegen ihrer Wertbeständigkeit so stolz sind, verlor innerhalb von nur einer Generation 90 Prozent ihres Wertes.

„Es ist die Ungewissheit über das Schicksal des Geldes, das es für Dispositionen, die eine entfernte Zukunft betreffen, völlig unbrauchbar macht“ schreibt Wolfram Engels in seinem Buch: Der Kapitalismus und seine Krisen, auf das ich mich hier auch weitgehend stütze. Unser Geld von heute eignet sich für Vergleiche in der Zeit ebenso wenig wie für langfristige Verträge.

Die Menschen versuchen, sich bei langfristigen Dispositionen, wie etwa Scheidungs- oder Altenteilverträgen, mit Geldwertsicherungsklauseln zu helfen. Solche Klauseln sind aber nach dem Währungsgesetz in Deutschland genehmigungspflichtig und die Bundesbank versag ausgerechnet bei kaufkraftindexierten Rentenwerten die Genehmigung – warum wohl? Verträge über Pensionen, Mieten, Versicherungen etc. werden durch Währungskrisen plötzlich einfach wertlos. Deshalb werden auch alle Menschen immer wieder neu „rasiert“, die ihre Altersvorsorge über Geldvermögen, wie etwa Versicherungen, betreiben wollen. Hierzu ein Beispiel aus dem richtigen Leben: Der Großvater von Herrn W. hatte im Jahre 1911 einen Betrag von 10 000 Goldmark als Rentenversicherung eingezahlt, die der Vater von Herrn W. nach 45 Jahren als Rente ausbezahlt bekommen sollte. Man sparte noch in Geld. Jetzt raten Sie, was der Vater von Herrn W. im Jahre 1957 von der Versicherung ausbezahlt bekam – es waren 67 DM. Hätte der Großvater den Betrag in Gold unter der Matratze aufbewahrt oder im Garten vergraben, wäre es eine bessere Altersvorsorge gewesen. Was lernen wir daraus? Langfristig Gold und Silber nie in Papier umtauschen, denn Papier hat immer nur vorübergehenden Wert. Langfristig wird es immer wieder zu Altpapier. Gold und Silber sind keine Schuldversprechen sondern höchste und letzte Liquidität, also Tauschbereitschaft, weil sie immer von Menschen im Tausch gegen andere Güter akzeptiert erden. Eine nicht ganz unwichtige Frage ist allerdings, in welchem Verhältnis oder zu welchem Preis das geschieht. Hätte der Großvater Silber unter die Matratze gelegt, wäre die Wertaufbewahrung zwar auch besser gelungen als mit Staatsgeld bei einer Versicherung, aber halt nicht so gut wie mit Gold. Es könnte aber sein, dass diesmal Silber die bessere Alternative ist.

In Japan gehen Versicherungen jetzt reihenweise pleite, in England ist die größte und älteste Lebensversicherung Equitable Life jetzt vom Konkurs bedroht und bei den deutschen Versicherungen schmelzen die Reserven dahin und sie haben jetzt das Aufsichtsamt gebeten, das Niederstwertprinzip aufzuheben, mit anderen Worten, sie bitten die Behörden, bei der Konkursverschleppung zu helfen. Wir stehen vor einem Scherbenhaufen. Eigene Kinder sind nicht da, Produktivvermögen wurde nicht angesammelt, weil angeblich der Generationenvertrag das überflüssig machte und die Versprechungen der staatlichen wie privaten Rente sind nicht erfüllbar, weil beide auf ungedeckten Versprechungen, eben fiat money, aufgebaut wurden. Wie konnte sich so etwas entwickeln?

Ich möchte hier einmal die Behauptung aufstellen, dass die segensreiche des Kapitalismus, die im 19. Jahrhundert begonnen hat, mit Beginn des Ersten Weltkrieges abgebrochen und von einem weltweiten gigantischen sozialistischen Experiment abgelöst wurde, in dessen Mittelpunkt eine falsche Geldtheorie steht. Die Gold- und Silberwährungen hatten über Jahrhunderte hervorragend funktioniert und in Europa im 19. Jahrhundert schließlich zur Entstehung dieser atemraubenden kapitalistischen Wohlstandsmaschine beigetragen. Die Edelmetallwährungen wurden abgelöst von einem Geldsystem, das der Kriegsfinanzierung dienen sollte und von daher notwendigerweise auf Betrug und Täuschung aufgebaut war. Kriege wurden praktisch immer mit Falschgeld finanziert. Dieses Falschgeldsystem wurde dann immer raffinierter ausgebaut und von den Wirtschaftswissenschaftlern begründet und gerechtfertigt. Das Falschgeldsystem wurde nach den großen Kriegen beibehalten, um statt eines Krieges nun das sozialistische Experiment des Wohlfahrtsstaates zu finanzieren.

Insbesondere durch Keynes wurde dieses Falschgeldsystem dann entscheidend gerechtfertigt. Der Keynesianismus behauptet ja, jedes Land brauche eine nationale Geldpolitik, um Rezessionen zu verhindern, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, die Zahlungsbilanz auszugleichen. Gegen Ende der 1960er Jahre forderte die Wissenschaft dann zusätzlich noch den Übergang zu flexiblen Wechselkursen, weil nur so eine nationale Geldpolitik möglich sei.

Alle diese Theorien haben sich mittlerweile als falsch herausgestellt. Die Rezessionen verschwanden nicht, sie wurden massiver. Die Arbeitslosigkeit ging nicht zurück, sie stieg. Die Inflation wurde nicht gebrochen, sie beschleunigte sich. Zahlungsbilanzkrisen sollte es nicht mehr geben. Statt dessen erreichten sie in der Weltschuldenkrise ein nie erlebtes Ausmaß. Die Wechselkurse sind auch nicht, wie es die Wissenschaftler prognostiziert haben, stabil, sondern sie taumeln funktionslos und ohne ersichtlichen Grund mit beachtlichen Prozentsätzen umeinander, auf und ab. Ein so schlechtes Geld, wie wir es jetzt haben, hat es noch nie gegeben. Auf dem Gebiet des Geldwesens haben wir 100 Jahre Rückschritt zu verzeichnen, wie Wolfram Engels einmal eine seiner Glossen überschrieben hat. Der Goldstandard hatte vielleicht auch Fehler, aber er war um vieles besser als unser aktuelles Chaossystem. Man hört oft, der Goldstandard sei überholt und eine Rückkehr zu diesem vorsintflutlichen System sei völlig ausgeschlossen, aber das ist schlicht dummes Zeug, das darf man nicht glauben und diese Einsicht dämmert jetzt auch immer mehr Menschen. Vielleicht gelingt es in ferner Zukunft einmal, ein Währungssystem zu schaffen, das noch leistungsfähiger ist als es der Goldstandard einmal war, aber für uns wäre erst einmal eine Rückkehr zum Goldstandard ein ganz gewaltiger Fortschritt.

Auf der Basis von Gold und Silber wurde damals ein äußerst leistungsfähiges internationales Kreditsystem aufgebaut, das viel effektiver und vor allem ehrlicher und gerechter war als das nationalstaatliche Geld, das wir heute haben, und es war ein viel zuverlässigeres Geld, auf das man auch seine Altersvorsorge aufbauen konnte. Es könnte sein, dass man sich daran jetzt wieder neu erinnert. Es ist sicher reizvoll, sich vorzustellen, wie die Entwicklung wohl verlaufen wäre, wenn der Kapitalismus unter einem Gold-Silber-Standard sich voll entfaltet hätte und nicht mit Beginn des Ersten Weltkrieges von diesem weltweiten sozialistischen Geldexperiment abgelöst worden wäre. In Russland und im ganzen Ostblock wäre den Menschen, die mit diesem Experiment praktisch um ihr Leben betrogen wurden, jedenfalls unendliches Leid erspart geblieben. Mit Gold kann man weder große Kriege führen noch große sozialistische Experimente machen, einfach weil man es nicht finanzieren kann. Deshalb musste vor Kriegen und sozialistischen Experimenten immer erst der Goldstandard bzw. die Golddeckung abgeschafft werden.

Eine Reihe von Ländern, wie Indien, China, Indonesien etc. befindet sich derzeit in der Transformation von der generativen zur kapitalistischen Wirtschaft. In diesen Ländern ist die Kapitalbildung höher als in den westlichen Industriestaaten. Die Geburtenzahlen gehen zurück, das Wirtschaftswachstum ist rasant und diese Staaten fangen jetzt an, Gold und Silber als Geld neu zu entdecken. Diese Länder haben jetzt die Chance, den Kapitalismus zu vollenden, mit einem zuverlässigen Geld, wenn sie nicht wieder dem Sozialismus auf den Leim gehen. Eine spezielle Besonderheit dieser Länder wie Indien und China ist es, dass bei ihnen immer in erster Linie Silber Geld war, beide Länder hatten nie einen Goldstandard, sondern vielmehr einen Silberstandard. Dahinter verbirgt sich ein uraltes Geheimnis und auch ein Schlüssel dafür, warum Silber jetzt nicht nur wieder zuverlässiges Geld, sondern auch die bessere Alternative zu Gold werden könnte.

Gold hat immer noch eine gewisse Bedeutung als monetäres Metall. Immerhin halten die meisten Zentralbanken nach wie vor Gold als monetäre Reserve und selbst der Euro ist zu 15 % mit Gold als Reserve unterlegt – aber Silber? Für die meisten Menschen ist heute Silber kein Geld mehr und kaum jemand rechnet damit, dass es je wieder Geld wird. Umso größer wird die Überraschung an den Märkten sein, wenn Silber als Geld neu entdeckt wird, mit einer entsprechenden Wirkung auf den Preis. Wie weit könnte Silber in einem solchen Szenario steigen?

Nehmen wir einmal an, Gold würde sich wieder auf seinen langfristigen realen Durchschnittspreis von etwa 600 Dollar pro Unze einpendeln, sich also etwa verdoppeln und Silber würde auf seine natürliche Silber-Gold-Relation von 1: 10 zurückkehren, so kämen wir auf einen realen Silberpreis von etwa 60 Dollar pro Unze. Es kann aber durchaus sein, dass sich eine Relation von 1:5 oder 1:3 einstellt, weil Silber jetzt sehr viel knapper ist, was uns auf einen Silberpreis von 120 bis 200 Dollar pro Unze bringt. Natürlich kann es sein, dass in einer Kaufpanik die Preise auch deutlich stärker steigen.

Nachdem die Welt 100 Jahre mit Sozialismus und sozialistischem Geld experimentiert hat, reift jetzt so langsam die Erkenntnis, dass dieser Ansatz nicht funktioniert und es wohl besser ist, an die Erfolge der kapitalistischen Entwicklung im 19. Jahrhundert auch beim Geld wieder anzuknüpfen, also zu einem gedeckten Geld zurückzukehren, das nicht vom Staat oder von einer Zentralbank manipuliert wird. Das ist der zentrale Streitpunkt, um den es in der Geldtheorie immer wieder geht, nämlich um die Fragen:
Muss das Geld selbst einen Wert repräsentieren oder genügt Monopolygeld, also ein Zettel mit einer Zahl? Muss Geld gedeckt sein oder muss es nicht gedeckt sein?
Das Faszinierende ist, dass wir jetzt in einem real-life-Experiment am Markt ablesen können, welche Theorie richtig ist. Wenn Gold und Silber nur noch Rohstoffe sind, die zur Deckung von Geld nicht mehr gebraucht werden, wie ja viele behaupten, dann könnte der Preis für Gold uns Silber in einer Deflation, also einem Schuldenkollaps, zusammen mit allen anderen Rohstoffen fallen – für Gold vielleicht sogar wieder auf 42 Dollar, wie manche behaupten. Wenn Gold und Silber aber wieder Geld werden und auch wieder als Deckung für Papiergeld dienen, müssten ihre Preise jetzt dramatisch steigen, weil der Wert von Geld in der Deflation bekanntlich steigt. Im Falle der Hyperinflation steigen Gold und Silber mit allen anderen Rohstoffen im Preis, aber das bedeutet nur, dass Papiergeld wertloser wird. Das einzige Risiko besteht also darin, dass Papiergeld durch extreme Zinserhöhung wertvoller wird, so wie es kurzfristig den Hunts passiert ist. Ich halte das für unwahrscheinlich, aber man sollte es gedanklich zumindest mit berücksichtigen. Ein hübsches Geld- und wirtschaftstheoretisches Denkspiel mit praktischen Folgen.

Es geht letztlich, auch für jeden einzelnen, um die einfache Frage: Gelingt es den Menschen zu erkennen, dass sie mit staatlichem Papiergeld betrogen werden und sie sich mit Gold und Silber vor diesem Betrug schützen können, ganz so, wie es Alan Greenspan gesagt hat oder gelingt es den Mächtigen weiterhin, den Menschen einzureden, Gold und Silber seien kein Geld und damit den Preis weiterhin niedrig zu halten? Es geht dabei um sehr viel Macht und eigentlich um den alten Gegensatz: das Volk gegen die Mächtigsten dieser Welt und um die Frage: Wer hat die Macht über das Geld?

Dieser Kampf um die Geldmacht zwischen Staat, Banken und Volk ging durch die Jahrhunderte immer wieder hin und her, aber allmählich, insbesondere wegen der Kriegsfinanzierung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, haben Staat und Banken gesiegt und es gibt heute in der ganzen Welt ausschließlich staatliches Zwangsgeld ohne reale Deckung. Aber jetzt hat das Volk, durch den Schwächeanfall des fiat money und insbesondere dank des Internet, wieder einmal eine gute Chance, sich von der Herrschaft des Falschgeldes zu befreien. Es muss nur wieder seinem eigenen Verstand vertrauen und ganz unblutig Staatsgeld in Gold und Silber transformieren und eine sehr schöne Transformation ist der Kauf von Silberskulpturen.