Das Silberkomplott von Reinhard Deutsch   "Das Silberkomplott"
von Reinhard Deutsch
320 Seiten, gebunden, zahlreiche Abbildungen
ISBN: 3-938516-26-7
erschienen im Kopp Verlag
Preis: 19,90 €
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Das Spiel zum Buch "Das Silberkomplott"
Preis: 16 €
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Vortrag als PDF

Der folgende Vortrag wurde anlässlich des Silberseminars am 25. März 2006 in München gehalten:

 

Das Silberkomplott
von Reinhard Deutsch

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Silberfreunde,

Es ist nicht ganz leicht, vor einem so illustren Kreis von Edelmetallexperten, noch etwas Neues zum Thema vorzutragen. Über Gold und Silber ist mittlerweile fast alles gesagt – wenn auch noch nicht von Jedem.

Obwohl ich mich auch schon recht lange mit dem Thema beschäftige, bin ich jetzt gleichwohl auf einen Zusammenhang gestoßen, der für mich neu war, und wie ich hoffe, auch für einige von Ihnen neu sein wird.

Das Thema meines Vortrages lautet: „Das Silberkomplott“. Das ist übrigens auch der vorläufige Titel eines Buches, an dem ich gerade schreibe und das Mitte des Jahres im Kopp Verlag erscheinen soll.

Es geht dabei um die Frage, wurde Silber als Geld abgeschafft, einfach weil sich das im Markt zufällig so ergeben hat, oder wurde Silber zielstrebig nach einem Plan entmonetisiert?

Einige von Ihnen kennen vielleicht das Buch „Die Brücke von San Louis Rey“ von Thorton Wilder. In dem Roman geht es darum, dass im Jahre 1714 in Peru eine Brücke einstürzt und 5 Menschen, die sich zufällig auf der Brücke befanden, mit in den Tod reißt. Ein Franziskanermönch beschließt daraufhin, dem Schicksal dieser 5 Menschen nachzugehen, um herauszufinden – gibt es einen göttlichen Plan im Universum – ist irgendein Sinn in dem Tod dieser Menschen erkennbar, oder ist alles nur blanker Zufall.

Die Germanen hatten ein schönes Bild zu dieser Frage, ob Allem ein Plan zugrunde liegt, oder Alles nur ein Zufall ist. Nach ihrer Vorstellung saßen 3 Frauen – Nornen genannt – unter der Weltenesche Yggdrassil beim Spinnen der Schicksalsfäden. Die drei Nornen, die auch für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft standen, bestimmten so das Schicksal der Menschen und der Dinge und webten das Schicksalsnetz der ganzen Welt.

Nun hat Silber in der Tat einen ganz merkwürdigen Schicksalsfaden aufzuweisen. Nachdem es Jahrtausende, ja eigentlich seit biblischen Zeiten den Menschen immer als Geld gedient hat, neben Gold, bricht um etwa 1750 der reale Preis von Silber immer weiter ein und Silber wird schließlich als Geld abgeschafft. Von der Logik her ist das zunächst völlig sinnlos und unverständlich, etwa so, wie der Tod der 5 Menschen auf der Brücke von San Louis Rey. Es wird ja immer behauptet, es gebe zu wenig Gold und deshalb könne man ein Geldsystem auch nicht auf Gold aufbauen, einfach, weil es zu wenig Gold gibt.

Warum schafft man dann aber Silber als Geld ab und verzichtet einfach auf die Hälfte des vorhandenen Geldes? Wenn schon Gold knapp ist, dann müsste man doch eigentlich froh sein, dass man zusätzlich noch Silber zur Verfügung hat, statt es als Geld ganz abzuschaffen. Gleichwohl ist es gelungen, Silber als Geld völlig aus den Köpfen der Menschen zu verdrängen. Fragen Sie sich selbst einmal hier im Saal, wer sich noch vorstellen kann, dass Silber wieder Geld wird. Ich nehme an, nicht einmal 20% der hier Anwesenden kann sich das wirklich vorstellen.

Ich will die Sache mal ein wenig auf die Spitze treiben und mit einem Vergleich zeigen, welche Gehirnwäsche da in Bezug auf Silber eigentlich statt gefunden hat. Etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts kamen die ersten Kartoffeln aus Südamerika nach Europa. Zunächst hat man sie wegen ihrer Blüten als Zierpflanze genutzt. Dass man die unterirdischen Knollen essen konnte, war noch weitgehend unbekannt. Die Bauern kannten die Pflanze nicht und wollten sie auch nicht anbauen. Es wurden sogar allerlei Gerüchte über ihre Giftigkeit verbreitet. Es dauerte noch 200 Jahre, bis in den Köpfen der Menschen die Kartoffel als Nahrungsmittel akzeptiert wurde. Von Friedrich dem Großen wird berichtet, dass er Kartoffelfelder von seinen Soldaten bewachen ließ, um sie als wertvoll erscheinen zu lassen. Zur Erntezeit zogen dann die Soldaten ab, um den Bauern Gelegenheit zu geben, die Kartoffeln zu stehlen und als Saatkartoffeln zu nutzen. Mit diesem Trick versuchte er, die Kartoffel als wertvolles Nahrungsmittel in die Köpfe der Menschen zu bringen. Heute weiß jeder, Kartoffeln schmecken, sind gesund und ein nützliches Nahrungsmittel. Das Wissen ist heute in den Köpfen verankert

Können Sie sich vorstellen, dass dieses Wissen wieder verloren geht, dass die Mehrzahl der Menschen plötzlich sagt, Kartoffeln kann man nicht essen, ohne es auch nur auszuprobieren? Aber genau das ist mit Silber passiert. Nur etwa 100 Jahre später, nachdem Friedrich der Große begonnen hatte, die Kartoffel in die Köpfe der Menschen zu pflanzen, wurde damit begonnen, Silber als Geld aus den Köpfen der Menschen zu entfernen. War das Zufall – ein unabänderliches Schicksal

Der Fransiskanermönch kam übrigens zu dem Schluss – es gibt keinen göttlichen Plan im Universum – die fünf Menschen waren einfach zufällig auf der Brücke und er wurde dafür mitsamt seinem Buch von der Inquisition verbrannt. Ich komme umgekehrt zu dem Schluss, es gab einen konkreten Plan Silber zu entmonetisieren und ich hoffe, ich werde nicht dafür verbrannt

Welcher Trick dazu benutzt wurde, werde ich Ihnen gleich zeigen

Betrachten wir zunächst einmal die Schicksalsfäden von Gold und Silber und versuchen herauszufinden, wann gleichsam die Brücke eingestürzt ist, wann Silber in den monetären Tod gerissen wurde und was mit Gold geschah

Chart: reale Preise von Gold und Silber

Es handelt sich bei den Charts um die realen Preise von Gold und Silber, mit dem Dollar von 1998 als Basis. Die Kurven zeigen also die Entwicklung der Kaufkraft von Gold und Silber, über die letzten 600 Jahre.

Wenn die Kurven steigen, heißt das, die Güterpreise in Gold und Silber sinken, und wenn die Kurven fallen heißt das steigende Güterpreise in Gold und Silber – oder anders gesagt – die Kaufkraft von Gold und Silber fällt.

Auf den ersten Blick können wir etwa einen Gleichlauf der beiden Kurven erkennen über hunderte von Jahren bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Hier beginnt ein permanenter Abstieg der Kaufkraft des Silbers über 250 Jahre bis zum absoluten Tief von nominal unter 4 Dollar im Jahr 2003, während Gold seine Kaufkraft bis heute mehr oder weniger behauptet.

Am Beginn sehen wir von 1344 bis etwa 1500 einen Anstieg der Kaufkraft bei beiden Metallen bis auf das all time High von 2400 Dollar pro Unze Gold und 806 Dollar pro Unze Silber. Diese Preise wurden nie wieder erreicht. Ab 1500 fällt die Kaufkraft beider Metalle etwa 100 Jahre lang, bis beide Metalle um 1600 ein neues Niveau erreichen, auf dem sie sich dann für die nächsten 150 Jahre stabilisieren.

Dieser Rückgang der Kaufkraft ist natürlich auf die enormen Edelmetallmengen zurückzuführen, die nach der Entdeckung Amerikas nach Europa strömten. Die Güterpreise in Gold und Silber stiegen ständig, weshalb diese Zeit auch als die Zeit der Preisrevolution bezeichnet wird. Die Preise stiegen über 100 Jahre mit einer für damalige Zeiten immensen Rate von etwa 2 % p. a. Allerdings wurde diese Preissteigerung niemals als Schock empfunden, da es sich nicht um plötzliche Preissprünge handelte, sondern der Preisanstieg gleichmäßig über die ganze Zeit verteilt war. Wir sind da ganz andere Entwicklungen gewohnt, seit es Zentralbanken gibt, die für Preisstabilität sorgen.

Ab 1600 haben wir praktisch ein stabiles Preisniveau in beiden Metallen über 150 Jahre, ohne dass es Zentralbanken gab, welche die Geldmenge regulierten um die Kaufkraft zu stabilisieren. Die Kaufkraft von Gold pendelt bis heute mehr oder weniger stabil um einen Durchschnittswert von etwa 450. Silber geht dagegen ab etwa 1750 in einen Sturzflug über, der seine Kaufkraft zunächst mehr als halbierte.

Was geschah um die Mitte des 18. Jahrhunderts mit Silber? Warum wurde Silber plötzlich nicht mehr als Geld gebraucht, während Gold nach wie vor als Geld funktionierte?

Der zentrale Grund dafür ist, dass in England zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Silberkomplott geschmiedet wurde, mit einem ganz einfachen Trick. Das Silber/Gold Verhältnis wurde auf 15,2 :1 festgesetzt, statt 15 : 1 zu dem es im Markt gehandelt wurde. Dies führte dazu, dass nach dem Greshamschen Gesetz das schlechte Geld – in diesem Fall Gold- das gute Geld – in diesem Fall Silber aus dem Markt verdrängte. Es lief praktisch nur noch Gold um und Silber wurde gehortet, oder auf dem Kontinent, bzw. nach Osten verkauft. Dieser simple Trick genügte, um sicher zu stellen, dass unter der Bank of England das Pfund als Leitwährung von Anfang an nur auf Gold gegründet war. Es fällt schwer zu glauben, dass diese Festsetzung des Wertverhältnisses einfach ein Irrtum war und der Goldstandard sich so zufällig ergeben hätte, wie zuweilen geschrieben wird.

Im Laufe der Zeit wurde Silber dann per Gesetz immer mehr verdrängt. So wurde 1774 ein Gesetz beschlossen, dass Silber nur noch bis zur Höhe von 25 Pfund als gesetzliches Zahlungsmittel gelte. Nach dem Sieg über Napoleon führte England auch offiziell einen reinen Goldstandard ein, während die anderen europäischen Staaten nach wie vor bei Gold und Silber blieben. Nach dem Sieg über Frankreich 1870/71 ging Deutschland ebenfalls zum reinen Goldstandard über und Silber wurde auch in Deutschland entmonetisiert. Die Banken wurden sogar ausdrücklich angewiesen, ihr Silber zu verkaufen. Die anderen Staaten folgten dann diesem Beispiel und nur Amerika führte einen 20 jährigen Kampf gegen die Entmonetisierung des Silbers.

Dieser Kampf, der in der Literatur meist unter der Überschrift „Das Verbrechen von 1873“ beschrieben wird, zeigt, wie raffiniert und mit welcher kriminellen Energie das Silberkomplott geschmiedet wurde. Auf dem Höhepunkt 1896 wurde ein ganzer Wahlkampf fast ausschließlich um die Frage des Free Coinage und der Remonetiesierung von Silber geführt. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Die ganze Dramatik zeigt sich sehr schön in der berühmten „Kreuz aus Gold“ Rede, die William Jennings Bryan im Wahlkampf hielt. Bryan kandidierte für die Demokraten und die Rede endete etwa wie folgt:

„Wenn sie es wagen, ins offene Feld hinauszutreten, um den Goldstandard als etwas Gutes zu verteidigen, werden wir sie bis aufs Letzte bekämpfen, und wir werden dabei die produzierenden Massen der Nation und der Welt hinter uns haben. Wir werden die Unterstützung des Handels und der gesamten Arbeiterschaft haben. Auf ihre Forderung nach dem Goldstandard werden wir ihnen folgendes antworten: auf die Stirn der Arbeiterschaft werdet ihr diese Dornenkrone nicht drücken. Ihr werdet die Menschheit nicht an ein Kreuz aus Gold schlagen“. Als die Rede endete, stand Bryan vor der Versammlung, mit nach oben ausgestreckten Armen und zur Seite geneigtem Kopf. Für einen langen Moment war die Menge wie betäubt, dann brandete nicht enden wollender Beifall auf, und Bryan wurde nominiert. Innerhalb von zwei Wochen besuchte Bryan zwei Drittel aller Bundesstaaten und hielt 400 Reden über Geld und die Vorteile des Bimetallstandard. Niemals zuvor hatte es so etwas gegeben. Seine Kampagne wurde als honest money campaign ( „Kampagne für ehrliches Geld“) bekannt. Gesiegt haben dann allerdings die Republikaner, die für einen reinen Goldstandard kämpften und angeblich von London finanziert wurden.

Aber warum sollte Silber entmonetisiert werden? Was machte das für einen Sinn. Warum konnten nicht Gold und Silber weiterhin nebeneinander als Geld dienen – wie das über viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende der Fall war?

Zu allen Zeiten gab es ja immer den sogenannten Bimetallstandard, bei dem Gold und Silber nebeneinander als Geld dienten. Im Markt bildete sich dabei ein Preisverhältnis von Silber zu Gold, wobei im Osten, also China, Japan, Indien etc. Silber stets höher bewertet wurde, als im Westen. Es machte also Sinn, Silber z.B. nach Indien zu exportieren und Gold von dort zu importieren. Dies war eines der bestgehüteten Geheimnisse durch alle Zeiten. Verhalf es doch denjenigen, die dieses Geheimnis kannten, zu Macht und Reichtum. Für uns ist wichtig, dass genau dieser Mechanismus auch gezielt dazu benutzt wurde, um Silber in Europa zu entmonetisieren und einen Goldstandard einzuführen.

Und warum wollte man einen reinen Goldstandard einführen? Weil das einfacher und klarer war – oder weil sich das im Markt so ergeben hat? Wenn das so wäre, dann hätte sich im Laufe der Jahrhunderte längst im Markt ein reiner Goldstandard eingestellt. Aber im Markt hat sich immer der Bimetallismus eingestellt.

Was also war der Plan, der hinter dieser ganzen Entwicklung steckte und der sich so deutlich im Schicksalsfaden des Silbers zeigt? Der langfristige Plan war, beide Metalle, Gold und Silber als Geld ganz abzuschaffen und durch fiat money zu ersetzen. Fiat money wird durch Banken aus dem Nichts erzeugt und an den Staat und das Publikum gegen Zinsen verliehen. Mit diesem Mechanismus kann man Macht und Reichtum gewinnen, was mit Gold und Silber als Geld nicht möglich ist. Es musste also in einem ersten Schritt Silber als Geld abgeschafft und ein reiner Goldstandard eingeführt werden, um dann, in einem zweiten Schritt auch Gold als Geld abzuschaffen. Dieser zweite Schritt erfolgte 1971 und heute haben wir einen reinen fiat money Standard. Der Goldstandard wurde also nicht etwa eingeführt, um das Geldsystem zu verbessern, sondern als Zwischenschritt zur Abschaffung auch von Gold als Geld.

Fiat money wurde im wesentlichen gegen Ende des 17. Jahrhunderts erfunden. Der bekannteste Vertreter ist John Law. Gegen Ende 17. Jahrhunderts, nämlich 1694, wurde auch die Bank von England gegründet, mit der zum ersten Mal im großen Stil das Modell erprobt wurde, dass eine private Zentralbank dem Staat fiat money gegen Zins leiht (meist zu Kriegszwecken) und dafür vom Staat das Monopol auf fiat money erhält.

Dieses Modell war offenbar so genial und lukrativ, dass der Plan entstand, die Konkurrenz in Form von Gold und Silber zu verdrängen und weltweit fiat money zu installieren, möglichst von London aus gesteuert, mit dem Pfund als Leitwährung.

Wie und mit welch raffinierten Mitteln die Entmonetisierung von Silber betrieben wurde, wie der Übergang zum Goldstandard organisiert wurde und wie weltweit Zentralbanken nach dem englischen Modell installiert wurden, um eine „flexible“ Geldversorgung mit fiat money zu organisieren, wird alles in dem Buch beschrieben.

Zunächst wurde das Ganze von London aus gesteuert, mit dem Pfund als Leitwährung. Später wanderte dann das Machtzentrum nach New York, mit dem Dollar als Leitwährung.

Als Fazit möchte ich festhalten, dass die Entmonetisierung von Silber ganz offensichtlich kein Zufall war, sondern dem ein kühl berechneter Plan zugrunde lag, also etwas, das man mit Fug und Recht als Silberkomplott bezeichnen kann.

Was können wir tun? Ganz einfach – ein Gegenkomplott schmieden. Das 17. und 18. Jahrhundert war auch das Zeitalter der Aufklärung. Aufklärung heißt nichts anderes, als zu zeigen, wie es funktioniert. Wie Religionen entstanden sind, Zentralbanken oder fiat money. Durch Aufklärung ist es im 18. Jahrhundert gelungen, die Macht der Kirche und der Herrscher zu brechen. Könige wurden geköpft, Parlamente installiert, Gewaltenteilung und Rechtsstaat eingeführt und die amerikanische Verfassung geschrieben, in der klar steht, dass nur Gold und Silber als Geld dienen dürfen.

Zum Glück brauchen wir keine blutige Revolution mehr und müssen niemand köpfen. Aufklärung und der Kauf von Gold und Silber genügen schon als Gegenkomplott – oder?

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit